5 Warnsignale
für Dauerstress bei Führungskräften

(Burnout-Prävention)

Autor:
Tobias Boba

Lesedauer:
7 Minuten



„Was mich am meisten nervt, ist, dass ich mit dem Stress, den ich in der Firma habe, auch meine Tochter und meinen Mann belaste.“

Sie sagt das mit dieser müden Ehrlichkeit, die man hat, wenn man merkt: Ich kann das nicht mehr schönreden.

Dann kommt der Satz, den viele Führungskräfte kennen und trotzdem selten laut sagen:
„Ich bringe diesen Mist mit nach Hause und das will ich nicht mehr.“

Wenn du den Satz schon mal gedacht hast: Willkommen im Club der Menschen, die zu lange geglaubt haben, Stärke sei gleichbedeutend mit weiter funktionieren.

Warum Zahlen allein nicht helfen (aber ein Weckruf sein können)

Man könnte hier mit Statistiken starten. Zum Beispiel damit, dass im TK-Stressreport 66 % sagen, sie seien häufig gestresst. Nur 8 % der Menschen in Deutschland sagen, dass sie nicht gestresst sind. Das bedeutet im Umkehrschluss: 92 % sind es.

92 %.
Fast jeder.


Wenn du also gerade gestresst bist, gehörst du zur überwältigenden Mehrheit. Und trotzdem macht diese Zahl dein persönliches Erleben nicht leichter. Sie nimmt dir weder den Druck noch zeigt sie dir einen Ausweg.

Genau deshalb möchte ich in diesem Artikel das Ganze aus einer persönlichen Perspektive beschreiben so, wie ich es in meinen Coachings regelmäßig erlebe. In diesen Gesprächen sehe ich etwas anderes: Nicht, dass Stress selten wäre, sondern dass Führungskräfte ihn zu spät als schädlichen Dauerstress erkennen. Weil er am Anfang nicht dramatisch aussieht.

Er klingt eher nach:

  • „Geht schon noch.“
  • „Ist halt gerade viel.“
  • „Wenn das Projekt durch ist, wird’s wieder besser.“


Nur: Das Projekt wird nie „durch“ sein. Es kommt immer das nächste.

5 Warnsignale.
So sehen sie im Alltag wirklich aus

Stefanie ist Unternehmerin, schnell, kompetent, leistungsstark. Im Videocall sitzt sie aufrecht, Kamera an, Blick klar. Und trotzdem stimmt etwas nicht: Ihre Stimme ist zu schnell für das, was sie erzählt. Als würde sie sich selbst überholen.
Ich frage: „Woran merkst Du es, bevor es zu Hause knallt?“
Sie zögert nicht. „Schlaf.“

1) Schlaf: Körper müde, Kopf an

„Ich bin erschöpft. Aber mein Kopf läuft weiter. To-dos, Entscheidungen, Leute. Und morgens…“

Sie verzieht kurz das Gesicht. „…als hätte ich weiter gearbeitet.“

Ich sage: „Das ist ein Alarmsignal. Dein System kommt nicht mehr in die Erholung. “Schlaf ist kein Wellness-Thema. Schlaf ist der wichtigste Regenerationsfaktor. Und ohne Erholung wirst du nicht nur „weniger produktiv“. Du wirst auch reaktiver.

2) Kurze Zündschnur: Der Stress bekommt Beine

„Und dann?“, frage ich.
Sie schaut kurz nachdenklich weg. „Dann bin ich … gereizt. Mein Mann fragt etwas total Normales und ich fahre ihn an. Meine Tochter will was erzählen und ich bin innerlich schon beim nächsten Problem.

“Das ist der Moment, an dem viele sich innerlich verurteilen: Was bin ich denn für ein Mensch?

Ich drehe das um: Reizbarkeit ist oft kein Charakterproblem. Sie ist ein Überlastsignal. Du hast nicht mehr genug Puffer, um freundlich zu bleiben. Und du merkst es zuerst dort, wo du dich am sichersten fühlst: zu Hause.

Und dann kommt die zweite Schleife: Reizbarkeit → Schuldgefühl → noch mehr Druck → noch weniger Schlaf.
Das System schaukelt sich hoch.

3) Körper im Dauerstress: Der Körper verhandelt nicht

Irgendwann frage ich: „Was macht dein Körper?“

Meist kommt dann eine Liste, die erstaunlich lang ist und erstaunlich lange ignoriert wurde:
Nacken, Rücken, Magen, Kopfschmerzen, Entzündungen.

Ich sage an der Stelle etwas, das viele entlastet, weil es nicht moralisch ist:
Der Körper verhandelt nicht. Er meldet sich. Erst leise, dann lauter.

4) Alles wird Pflicht: Wenn die Freude verschwindet

Später sagt sie: „Früher hat mir das Spaß gemacht. Jetzt ist alles Pflicht. Ich funktioniere nur noch.“
Dieser Satz ist gefährlich, weil er so unauffällig wirkt. Er klingt nicht nach „Zusammenbruch“. Er klingt für Unwissende „unscheinbar“.

Aber wenn alles nur noch Pflicht ist, ist das kein „Motivationsloch“. Es ist oft ein Zeichen, dass du innerlich schon seit längerem auf Reserve läufst. Und das kann langfristig nicht gut gehen.

5) Kontrollmodus statt Delegation: das Denkmuster, das dich gefangen hält

Dann kommt das Thema Delegieren. Und fast immer höre ich denselben Satz, so auch hier:
„Wenn das jemand anders macht und ich muss es danach überarbeiten, ist das am Ende zeitaufwändiger, als es gleich selbst zu machen.“


Ich antworte ehrlich:
„Das ist in den meisten Fällen ehrlich gesagt falsch und ein Denkmuster, das dich gefangen hält.“

Warum so klar? Weil dieser Satz selten wirklich Effizienz meint. Er meint Risikoangst. Und Risikoangst unter Stress macht etwas sehr Verlockendes: Sie verkauft Kontrolle als Sicherheit.
Nur bezahlt man diese „Sicherheit“ teuer:

  • mit Überlastung,
  • mit einem Team, das weniger Verantwortung übernimmt (weil es das nicht kennt),
  • mit mehr Fehlern (weil niemand sich verantwortlich fühlt),
  • und am Ende mit genau dem, wovor man Angst hatte: Kontrollverlust.

Warum Führungskräfte das zu spät merken

Dauerstress tarnt sich als Kompetenz. Du bist ansprechbar. Du lieferst. Du hältst Meetings. Du kriegst das hin.
Und genau deshalb dauert es so lange, bis du merkst: Es wird immer schwerer und ich schaffe immer weniger.

Das Gemeine ist: Viele Führungskräfte haben Überlastung irgendwann im Gehirn positiv verknüpft.
Lob vom Chef. Anerkennung im Team. Das Gefühl, gebraucht zu werden. Und oft steckt noch etwas Älteres dahinter: die frühe Botschaft aus der Kindheit „Du bist wertvoll, wenn du funktionierst, besonders, wenn es schwer ist.“

In einem gesunden Maß kann das antreiben. Aber wenn es zum Dauerzustand wird, kippt es. Denn dein Körper bleibt nicht für immer 20 Jahre alt. Deine Leistungsfähigkeit ist nicht jeden Monat gleich. Und irgendwann werden genau die Programme, für die du früher Dopamin und Bestätigung bekommen hast, zu dem, was dich ausbrennt.

Und dann passiert etwas Typisches: Du wartest auf den großen Knall, damit du endlich „berechtigt“ bist, etwas zu ändern. Der Knall kommt dann oft privat: Streit, Rückzug, körperliche Symptome, Erschöpfung. Nicht, weil die Familie „zu empfindlich“ ist, sondern weil sie als Erste spürt, was du den ganzen Tag wegdrückst.

Der entscheidende Schritt ist nicht noch mehr Disziplin.
Sondern Reflexion: Welche Muster laufen hier? Dienen sie mir oder schaden sie?

So arbeite ich:

Es gibt nicht die eine Lösung, die für jeden passt.
„Je nach Typ Mensch, Situation, Tagesform reagiere ich sehr individuell.“

„Hier gibt’s keinen Standard. Einfühlungsvermögen und Erfahrung sind der Schlüssel.“

Was es gibt, ist ein systemischer Blick: Wir schauen nicht nur auf „Stress im Kopf“, sondern auf das Zusammenspiel aus Arbeitsrealität, Führung, Erwartungen, Körper, Beziehungen und die Muster, die dich festhalten.

„Ich habe einen praxiserprobten systemischen Ansatz, den ich sehr individuell anpasse.“

„Erfahrung und Intuition helfen sehr, aus der großen Bandbreite hilfreicher Werkzeuge das Richtige zu wählen.“

Ich sage dann auch den Teil, der nicht auf einer Landingpage steht: Ich bin kein Wunderheiler.
Ich verkaufe dir kein „Gib mir dein Geld und dann wird alles gut“.
Ja, manchmal geht Veränderung schnell aber nicht, weil ich zaubere, sondern weil wir ehrlich arbeiten.

Coaching ist bei mir Teamarbeit: Ich bringe Klarheit, Struktur und einen ehrlichen Blick von außen.
Du bringst Offenheit, Verantwortung und die Bereitschaft mit, wirklich hinzuschauen und dranzubleiben.
Wenn du das nicht willst, bin ich nicht der richtige.

Nicht, weil ich nicht helfen will, sondern weil echte Entwicklung genau diese Ehrlichkeit braucht.

Mini-Checkliste:

  • Schlaf & Erholung kippen (nicht abschalten)
    Du bist müde, aber der Kopf bleibt an. Einschlafen dauert, du wachst früh auf oder fühlst dich trotz Schlaf nicht erholt.
  • Reizbarkeit steigt (kurze Zündschnur im Job)
    Du wirst schneller ungeduldig, schärfer im Ton, weniger großzügig. Danach ärgerst du dich über dich selbst.
  • Kontrollmodus statt Delegation
    Du hältst Aufgaben fest, checkst mehr nach, korrigierst mehr. Delegieren fühlt sich an wie Risiko – dabei frisst Kontrolle deine Energie.
  • Körper auf Daueranspannung
    Kiefer fest, Nacken hart, Druck/Unruhe, flacher Atem. Nichts Dramatisches – aber konstant. Typisch bei chronischem Stress.
  • Alles wird Pflicht (Leichtigkeit weg)
    Du machst weiter, aber ohne Luft. Selbst kleine Dinge fühlen sich schwer an, Freude wird selten, du ziehst nur noch durch.

Mini-Check: Wenn du 2+ dieser Punkte seit mehr als 2–3 Wochen kennst: Das ist ein guter Zeitpunkt, um aktiv gegen zu steuern.

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