Autor:
Tobias Boba
Lesedauer:
7 Minuten
„Yoga ist super. Aber ich brauche keine Dehnung, ich brauche eine Woche ohne Dauer-Alarm.“
Der Satz kam nicht als Witz. Er kam wie eine Bilanz, die man nicht mehr schönreden kann.
Aufstrebendes IT-Unternehmen in Norddeutschland. Sechzig Leute, zwei Standorte, Wachstum, neue Kunden. Von außen wirkt das wie: läuft doch.
Von innen klang es eher wie: Wir rennen nur noch. HR hatte schon gemacht, was viele machen: Obst, Meditations-App, einmal im Monat Yoga. Nett. Aber im Alltag saßen Menschen abends daheim „fertig, aber wach“.
Körper müde, Kopf im Dauer-Scan. Und irgendwann kippt das, ganz leise: Erst wird man kürzer, dann zynischer, dann krank.
Die unbequeme Wahrheit ist simpel: Wenn das System Stress produziert, rettet dich kein Benefit.
Benefits sind Beilage. Der Stress sitzt im Hauptgericht.
Viele Programme scheitern nicht, weil Menschen „zu wenig Achtsamkeit“ haben.
Sie scheitern, weil sie sich anfühlen wie eine versteckte Botschaft:
„Regulier dich besser, damit unser Chaos weiterlaufen kann.“
Genau da steige ich aus. Ich mache keine Kosmetik. Ich arbeite an dem, was Stress wirklich produziert:
Arbeitsdesign. Führung. Schnittstellen. Regeln, die tatsächlich gelten.
(WHO nutzt genau diese Ebenen als Landkarte: System, Führung, Teamkompetenzen, individuelle Unterstützung, Wiedereinstieg. Nicht als Beweis für eine Maßnahme, sondern als Orientierung, wo du hinschauen musst.)
Und noch etwas entscheidet fast immer, ob es trägt oder verpufft:
Mitgestaltung.
Wenn Menschen mitbauen, verteidigen sie das Ergebnis. Wenn du ihnen etwas überstülpst, wird es zum nächsten Projekt „von oben“ und stirbt nach zwei Monaten.
Ich frage in solchen Projekten selten als Erstes: „Wie fühlen Sie sich?“
Ich frage: „Woran genau zerfällt eure Arbeit?“
In diesem Unternehmen war die Antwort nach kurzer Zeit sehr klar und entlastend, weil endlich nicht mehr so getan werden musste, als wäre es ein individuelles Problem.
Alles war Priorität.
Unterbrechungen waren Normalität.
Übergaben waren „irgendwie“ und dieses „irgendwie“ frisst Zeit, Nerven und Vertrauen.
Und dann passiert etwas, das viele Führungskräfte kennen, aber selten so benennen:
Menschen arbeiten nicht mehr nach Plan. Sie arbeiten nach Alarm. Wenn Stressgeschichten immer mit Kalender, Unterbrechung und Unklarheit beginnen, ist das kein Mindset-Thema.
Das ist Prozess- und Führungsdesign.
Ich habe nichts „eingeführt“ wie ein Paket. Wir haben es gemeinsam gebaut.
Ein Tag, gemischtes Team, echte Abläufe an der Wand. Keine Schuldfragen. Nur Struktur.
Der erste Hebel war pragmatisch: Wir haben entschieden, was diese Woche wirklich zählt und was bewusst stehen bleibt.
Wachstum heißt immer: Nachfrage größer als Kapazität. Wenn du das nicht offen führst, überfordern sich Menschen heimlich und nennen es offiziell „Engagement“. Das hält eine Weile. Dann bricht es.
Der zweite Hebel war der, der fast überall unterschätzt wird: Unterbrechungen.
In IT ist Denken Kernarbeit. Zerhackte Arbeit ist kein „bisschen ineffizient“,sie ist Dauerstress. Wir haben aus dem diffusen „alles ist dringend“-Gefühl wieder eine klare Dringlichkeit gemacht:
Was ist wirklich Notfall und was ist einfach nur laut?
Und dann kam der Hebel, bei dem plötzlich alle nicken: Übergaben.
Wenn Tickets schwammig sind, wenn Verantwortung diffus ist, wenn Informationen fehlen, entsteht immer derselbe Reflex:
„Dann mach ich’s lieber selbst.“
Das klingt nach Qualität, ist aber am Ende Überlast in schönem Gewand. Ein Satz aus dem Support war für mich der beste Marker:
„Wenn ich tagsüber wieder am Stück arbeiten kann, bin ich abends nicht mehr komplett leer.“
Tools, die nicht effizient funktionieren, werden nicht genutzt. Punkt.
Das waren hier keine großen Rituale. Eher kleine Dinge, die im Alltag den Unterschied machen: Wie du nach einer Eskalation wieder runterkommst, damit du nicht im falschen Ton ins nächste Gespräch gehst.
Welche zwei Fragen Teams stellen, bevor sie sich in Perfektion verlieren. Wie man Konflikte so anspricht, dass sie nicht Wochen gären.
Das Ziel ist nicht, dass sich alle „besser fühlen“.
Das Ziel ist: weniger Automatismus, mehr Klarheit, mehr Handlungsfähigkeit.
Wenn du in einem wachsenden Unternehmen den Alarm runterdrehen willst, ohne großes Programm, dann mach nicht den nächsten Obstkorb. Mach das hier:
Du willst wissen, ob du Fortschritt machst? Dann schau nicht auf „Motivation“. Schau auf drei Marker:
Weniger Meeting-Müll. Weniger Eskalationen. Mehr Fokus am Stück.
Aufgabe als Führungskraft: das System so zu bauen, dass Menschen wieder denken können.
Und genau da setze ich an: mit Klarheit für Handwerk, System, Führung und Team.
Wenn du willst, dass dein Laden weiterwächst, ohne dass deine Leute dabei innerlich ausbrennen, dann sollten wir reden.
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