Autor:
Tobias Boba
Lesedauer:
7 Minuten
21:45 Uhr. Norddeutschland. Ein Bereichsleiter einer Bank liegt im Bett. Das Handy liegt auf dem Nachttisch, Display nach oben. Nicht, weil er süchtig ist, sondern weil er Verantwortung trägt.
Dann ploppt eine Mail auf:
„Morgen früh: Risiko-Update.“
Und in exakt diesem Moment ist er nicht mehr im Schlafzimmer.
Er ist wieder im Büro: in Folien, in Angriffspunkten, in „Was, wenn ich etwas übersehen habe?“.
Er sagt leise: „Ich bin hier aber mein Kopf ist im Büro.“
Wenn du das kennst, kann ich dir helfen: Das ist kein Charakterproblem. Das ist ein Systemproblem. Du bist nicht „zu wenig resilient“. Du bist ungeschützt erreichbar und dein Alltag trainiert dich auf Reaktion.
Und jetzt kommt meine unbequeme These:
Wenn dein Tag dich im Minutentakt triggern darf, rettet dich kein zusätzliches Tool.
Dann sammelst du nur noch ein weiteres „Sollte ich eigentlich…“.
Was in der Praxis erfahrungsgemäß am schnellsten entlastet, ist nicht „noch eine Methode“.
Es ist Weglassen.
Die Daten sagen etwas Unbequemes: Wenn ihr Permanentreize und Unterbrechungen nicht aus dem System nehmt, bleibt das Nervensystem im Dauerstress. Deshalb ist „Weglassen“ oft der schnellste Hebel.
Bei dem Bereichsleiter war es wie so oft: Er hatte nicht „zu viel Arbeit“. Sie hatte zu viele Trigger.
Das Ergebnis: Sein Tag hatte keinen Rhythmus mehr. Nur Reaktion.
Und wenn du so führst, passiert etwas Fieses: Du wirst ineffizient.
Kein Digital-Detox-Theater. Das ist Arbeitsdesign.
Mehr Regeln brauchst du am Anfang nicht.
Drei reichen, wenn sie gelten.
Nicht: „Alles ist entspannt.“
Sondern: Du wirst wieder klar.
Bei dem Bereichsleiter war das nicht spektakulär, es war effizient. Er hat nicht plötzlich weniger Aufgaben. Aber er hatte weniger innere Unruhe. Weniger „nur kurz gucken“.
Und plötzlich wurde abends wieder möglich, was vorher wie ein Witz klang: im Bett liegen und tatsächlich runterfahren. Und das wirkt nicht nur privat.
Im Job merkst du es auch: weniger gereizter Ton, weniger Hektik-Entscheidungen, weniger Nacharbeit.
Das ist keine Wellness. Das ist Selbstmanagement.
Hektik macht Menschen nicht schneller, sie macht sie fehleranfälliger.
Wenn du gerade brennst, starte hier:
Zwei Wochen. Dann schaust du, ob dein Kopf wieder dir gehört.
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